Der Marktanteil der Getränkedose verweilt seit Einführung des Dosenpfands im Promillebereich der Getränkeverpackungen. Mit einer groß angelegten Kampagne versuchen die Hersteller den Verbrauchern derzeit zu vermitteln, Getränkedosen seien mittlerweile umweltfreundlich. Doch was ist dran an den Werbeaussagen?
Das renommierte Heidelberger IFEU-Institut hat im Auftrag der Dosenhersteller eine Ökobilanz-Studie erstellt. Darin werden sechs verschiedene Getränkeverpackungen für 0,5 Liter Bier verglichen: Glasflaschen im Einweg- und Mehrwegsystem, PET-Einwegflaschen, Aluminium- und Weißblechdosen. Vorweg: die schlechtesten Ergebnisse insgesamt hat Bier in Einweg-Glasflaschen.
Für die Berechnung von Ökobilanzen müssen Randbedingungen festgelegt werden. Je nach Berechnungsbasis ergeben sich teils starke Abweichungen in den Ergebnissen. Es gilt also genau hinzuschauen, um nicht "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen. Die Dosenhersteller beispielsweise gehen in ihrer Werbung davon aus, dass Mehrwegflaschen für Bier höchstens zehn Mal neu gefüllt werden. Tatsächlich liegt diese sogenannte Umlaufzahl jedoch durchschnittlich über 25. Jede Flasche nimmt damit im Laufe ihres Gebrauchs über 12,5 Liter Bier auf. Auch die Rücklaufquote liegt im Bier-Mehrwegsystem mit 98,5 bis 99 Prozent deutlich höher als die von den Dosenherstellern angenommenen 88 Prozent. Einen großen Einfluss auf die Gesamtbilanz hat die Transportentfernung von der Brauerei zum Handel. Bei großen Distanzen holt die Dose mit niedrigem Gewicht auf. Die Wahl der Berechnungsgrundlage bestimmt aber auch hier das Ergebnis.
Anders als die Werbung vermuten lässt, kommt das IFEU-Institut selbst zu dem Schluss, dass regional vermarktete Biere in der Glasmehrwegflasche die beste Ökobilanz aufweisen. Regionale Produkte im Mehrwegsystem sind auch bei Mineralwasser erstklassig.
nach oben Zuletzt aktualisiert am 14.12.2011