Viele Handwerker, ob Profis oder Laien, machen es sich einfach. Löcher, Fugen und Ritzen aller Art werden gerne ausgeschäumt. Was überquillt wird abgeschnitten. Aufgrund der schnellen, einfachen und relativ zuverlässigen Verarbeitung der Montageschäume haben auf deutschen Baustellen andere Arten der Fugenverfüllung kaum eine Chance.
Hohlräume lassen sich in Innenwänden meist problemlos mit Mörtel schließen. Auch ist es ein verbreiteter Irrtum, dass Fensteranschlussfugen einfach nur ausgespritzt zu werden brauchen. Auf der Außenseite müssen die Anschlüsse regen- und winddicht und von innen luftdicht sein. Gleichzeitig muss das Material die üblichen Bewegungen des Gebäudes aufnehmen. Eine Standardlösung gibt es nicht. Eine gute Wahl können richtig angeordnete Fugendichtbänder und Anputzsysteme sein.
Die Anwendung von Montageschaum ist wegen der Inhaltsstoffe bedenklich. Die Ausgangsstoffe für die Polymerisation sind Alkohole und Isocyanate. Seit Dezember 2010 wird die mit MDI abgekürzte Isocyanatverbindung als krebserzeugend Kategorie 3 eingestuft. Das bedeutet, es gibt Anlass zur Besorgnis.
Von besonderer Bedeutung ist dies für alle Baumärkte, Baustoffhändler mit Abgabe an private Kunden sowie alle sonstigen Vertreiber dieser MDI-haltigen Produkte an Private. Diese Produkte dürfen nicht mehr im Selbstbedienungsprinzip abgegeben werden, sondern nur noch über geschultes und sachkundiges Personal. Möglicherweise werden Montageschäume jetzt in einigen Baumarktregalen aus dem Sortiment genommen. Vielleicht kommen auch endlich für den privaten Handwerker MDI-freie Produkte auf den Markt.
Die leeren Dosen gelten als besonders überwachungsbedürftiger Abfall. PU-Schaumdosen dürfen nicht über den Hausmüll, den Bauschuttcontainer oder den Gelben Sack entsorgt werden. In handelsüblichen Mengen können die Dosen kostenlos beim Schadstoffmobil abgegeben werden. Baumärkte müssen ihre Kunden über die Rückgabemöglichkeiten informieren. Nur wenige Märkte kommen dieser Pflicht jedoch ausreichend nach oder bieten sogar den Service der Rücknahme.
Montageschäume enthalten reichlich Schadstoffe und schneiden im Test schlecht ab. Die Produkte erreichen bei den Prüfern von Öko-Test bestenfalls ein "mangelhaft". In einem Fall führen weitere Mängel sogar zu einem "ungenügenden" Gesamturteil. Die Ausgangsstoffe für die chemische Reaktion sind Alkohole und Isocyanate. Die dabei eingesetzten reaktionsfreudigen Moleküle sind gesundheitlich bedenklich und stehen deshalb in der Kritik. Einige Hersteller haben nach Alternativen gesucht. Bei den bisher angebotenen "isocyanatfreien" Montageschäumen werden zwar immer noch Isocyanate eingesetzt, sie sind allerdings so gebunden, dass sie nicht mehr freigesetzt werden. Da diese Produkte deutlich teurer sind, werden sie bei uns in Deutschland in Bau- und Fachmärkten erst gar nicht angeboten. Sie müssen über Baufirmen oder Handwerker bestellt werden.
Auf isocyanathaltige Montageschäume sollte möglichst verzichtet werden. Viele Fugen können auch mit Fasern wie Hanf, Flachs oder Schurwolle ausgestopft werden. Faserdämmstoffe sind nicht teuer, das Verarbeiten ist jedoch aufwendig. Wer keinen Montageschaum im Haus wünscht, kann mit seinem Handwerker alternative Füllmaterialien vereinbaren.
Externer Link, wird in neuem Fenster geöffnetDeutsche Umwelthilfe
Externer Link, wird in neuem Fenster geöffnetÖkotest, Heft 06/2007
Tipp: Montageschäume enthalten reichlich Schadstoffe
nach oben Zuletzt aktualisiert am 19.12.2011