
Rechnungen und Anzeigen von Stromversorgern werden bald deutlich informativer sein als heute. Denn die Lieferanten müssen künftig ihren Strommix offen legen. Das verlangt die neue Stromrichtlinie der EU, die vor kurzem verabschiedet wurde und im nächsten Sommer (2004) in Kraft treten soll. So wird bald jeder Kunde nachlesen können, welchen Anteil aus Atomkraft, Kohle, Gas oder erneuerbaren Energien sein Lieferant im zurückliegenden Jahr verkauft hat. Zudem müssen auch die Umweltauswirkungen der Stromerzeugung vermerkt sein, etwa die Menge Kohlendioxid oder das Kontingent Atommüll, das pro Kilowattstunde entsteht.
Seit der Liberalisierung des Strommarktes können die Verbraucher ihre Stromgesellschaft frei wählen. Da sich rein physikalisch die Herkunft des Stroms in der Steckdose nicht bemerkbar macht, hat sich so mancher Kunde einfach den günstigsten Anbieter gesucht. Nur wenige Stromlieferanten, dazu gehören besonders die zertifizierten Ökostromanbieter, haben ihren Kunden bisher ehrliche Einblicke in ihre Bezugsquellen gewährt. Und viele regionale Anbieter, die dezentrale eigene Kraftwerke betreiben, können mit den Dumpingpreisen einiger Stromverkäufer nicht mithalten. Die besorgen sich - ohne selbst zu investieren - über Strombörsen günstige Energie, die meist aus Atomkraftwerken aus ganz Europa stammt.
Sogar der Verband der Elektrizitätswirtschaft ist inzwischen Befürworter der neuen Transparenz. Über Handelverträge zwischen Erzeugern und Verkäufern lassen sich die Bezugsquellen recht einfach nachvollziehen. Bei Strombörsen setzt man den Durchschnitt im europäischen Verbundnetz an. Die Verbraucher können bald entscheiden, welchen Strommix sie bevorzugen und so manch vollmundigen Werbespruch als unwahr entlarven.
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nach oben Zuletzt aktualisiert am 04.06.2007